Initiative zur Förderung der Wirtschaftskompetenz

im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) e.V.Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) e.V. 

 
 


3.5 Prävention und Behandlung von Sucherkrankungen

Die Prävention und Behandlung des Substanzmissbrauchs, namentlich des Suchtstoffmissbrauchs und des schädlichen Gebrauchs von Alkohol, verstärken.

Alkohol

In der deutschen Gesellschaft herrscht eine eher unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor. Durchschnittlich werden pro Kopf der Bevölkerung jährlich rund zehn Liter reinen Alkohol konsumiert. Gegenüber den Vorjahren ist eine leicht rückläufige Tendenz im Alkoholkonsum zu registrieren. Dennoch liegt Deutschland im internationalen Vergleich unverändert im oberen Zehntel. Etwa 6,7 Mio. Menschen in der Gruppe von 18 bis 64 Jahren konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form und 1,6 Mio. in dieser Altersgruppe sind alkoholabhängig (ESA 2018). Missbräuchlicher Alkoholkonsum ist einer der wesentlichen Risikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen, wie

z. B. Krebserkrankungen, Erkrankungen der Leber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Unfälle. Analysen gehen von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder bedingt durch den Konsum von Tabak und Alkohol aus.

Corona hat einen Anstieg des Alkoholkonsums zur Folge.

Alkoholkonsum in der Pandemiezeit. Link: https://de.statista.com/infografik/24026/alkoholkonsum-steigt-waehrend-der-pandemie/

Es fehlen Daten über Alkoholkonsum und Pandemie

Der Umsatz der Getränkeindustrie mit alkoholischen Getränken beträgt knapp € 15 Mrd. Dort finden etwa 50.000 Personen Arbeit in Vollbeschäftigung und weitere 150.000 in Teilbeschäftigung, z.B. bei der Weinlese. Die Alkoholsteuer trägt € 2,2 Mrd. zur Staatkasse bei. Dem gegenüber stehen die volkswirtschaftlichen Kosten durch Alkoholkonsum von 57 Milliarden Euro pro Jahr (Jahrbuch Sucht 2021).

Daten Umsatz mit Alkohol aus Spirituosen Verband, Link: https://www.spirituosen-verband.de/fileadmin/introduction/downloads/BSI-Datenbroschuere_2019.pdf

Tabak

Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit ist das Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland. Jährlich sterben hier im Lande über 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Etwa seit den 1980er Jahren sind die Anteile der Raucher in der erwachsenen Bevölkerung leicht rückläufig. In Deutschland rauchen insgesamt 23,8 Prozent Frauen und Männer ab 18 Jahren. Männer rauchen mit 27 Prozent häufiger als Frauen, die zu 20,8 Prozent rauchen.  Bei den Jugendlichen ist ein deutlicher Rückgang in der Raucherquote zu beobachten. Hier hat sich seit fünfzehn Jahren der Anteil der rauchenden 12- bis 17-Jährigen erheblich reduziert. Er ist von 27,5 Prozent im Jahr 2001 auf 6,6 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Auch bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren geht das Rauchen zurück. 2001 rauchten 44,5 Prozent. Im Jahr 2018 taten dies noch 24,8 Prozent.

Die deutsche Tabakindustrie setzt jährlich € 29,5 Mrd. um und gibt 7.500 Menschen Arbeit. Die Tabaksteuer beträgt € 15,2 Mrd. Die sozialen Kosten generiert durch Tabakkonsum belaufen sich auf € 79 Mrd. Davon sind € 25,4 direkte Kosten (hautsächlich tabakbedingte Behandlung von Erkrankungen) und € 53 Mrd. indirekte Kosten für die Volkswirtschaft (Produktionsausfälle, Kosten für Frühverrentung).

Soziale Kosten Tabakkonsum, Link: https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Kosten_des_Rauchens.html

Der Schutz der Gesundheit liegt in Deutschland in der Verantwortung des Bundes und der Länder.

Zu den Maßnahmen zur Reduktion des Tabakkonsums gehören Preiserhöhungen sowie Abgabeverbote von Zigaretten an Kinder und Jugendliche, Präventionskampagnen, Werbeeinschränkungen, Vorgaben zur Verpackungsgestaltung und der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz.

Das Ziel der Bundesregierung ist eine Senkung der Raucherquote bis 2030 bei Jugendlichen auf 7% und bei Personen ab 15 Jahre auf 19%. Das Ziel ist erreichbar.

Zahlen Tabakindustrie, Link: https://www.zigarettenverband.de/themen/zahlen-und-fakten/kennzahlen

Jugendliche

Mit Bezug auf Jugendliche hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Studie mit dem Titel „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019“ herausgegeben. Die Studie basiert auf Befragungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beider Geschlechter.

Die große Mehrheit der jugendlichen – 83% - zwischen 12 und 17 Jahre alt hat noch nie geraucht. Bei der Gruppe von 18 bis 25 Jahren steigt der Anteil der Raucher auf fast 30% und der Anteil derjenigen, die noch nie geraucht haben liegt bei etwas über 40%. Junge Männer greifen häufiger zur Zigarette als Frauen.  

Gymnasiasten rauchen weniger als SchülerInnen anderer Schulformen. Diese Unterschiede sind auch bei den Abschlüssen zu erkennen. Jungen Erwachsene mit Hochschulreife oder Fachhochschulreife rauchen weniger als andere mit mittlerer Reife oder Hauptschulabschluss.

Auch andere Formen des Rauchens haben bei Jugendlichen Gefallen gefunden. Etwa jeder fünfte Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren hat schon einmal Wasserpfeife geraucht (20,9 %). Etwa jeder siebte Jugendliche hat schon einmal den Konsum von E-Zigaretten (14,5 %) und etwa jeder neunte Jugendliche den Konsum von E-Shishas (11,0 %) ausprobiert.

Die Anteile der 18- bis 25-jährigen Erwachsenen, die schon einmal Wasserpfeife (65,4 %), E-Zigarette (32,5 %) oder E-Shisha (15,5 %) geraucht haben, sind höher als die der Jugendlichen. Erfahrung mit dem Konsum von Tabakerhitzern ist sowohl unter Jugendlichen (0,5 %) als auch unter jungen Erwachsenen (4,5 %) vergleichsweise gering verbreitet. Der Konsum von Wasserpfeifen, E- Zigaretten und E-Shishas ist unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern weiterverbreitet als unter weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen. Auch Jugendliche mit niedriger Bildung weisen einen höheren Konsum auf.

Der Anteil der rauchenden Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den letzten 18 Jahren ist rückläufig, von 27,5 % im Jahr 2001 auf 5,6 % im Jahr 2019. Der Anteil der Jugendlichen, die noch nie geraucht haben, ist im Jahr 2019 mit 85,1 % so hoch wie in keiner der früheren Untersuchungen. Auch bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren geht die Verbreitung des Rauchens zurück. Im Jahr 2019 rauchen nur noch 21,2 %. Gleichzeitig steigt der Anteil der jungen Erwachsenen, die noch nie geraucht haben. Aktuell liegt er bei 45,9 %.

Das Rauchen von Wasserpfeifen ist bei Jugendlichen seit 2007 zurückgegangen. Unter jungen Erwachsenen nimmt sie zunächst zu und hat sich in der Gesamtgruppe von 7,8 % im Jahr 2008 auf 19,1 % im Jahr 2018 mehr als verdoppelt. Im Jahr 2019 fand ein signifikanter Rückgang auf 15,2 % statt. Das Rauchen von E-Zigaretten hat sich im Vergleich zu 2015 in allen Gruppen, ausgenommen der jungen Frauen, erhöht. Das Rauchen von E-Shishas ist im Zeitraum 2015 bis 2019 ausschließlich bei den weiblichen Jugendlichen rückläufig. Veränderungen der 30-Tage-Prävalenz der Tabakerhitzer sind verglichen zum Vorjahr 2018 kaum vorhanden.

Beim Alkoholkonsum sieht die Lage so aus: Insgesamt 63,4 % der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen hat schon einmal Alkohol getrunken. 9,0 % dieser Altersgruppe trinkt regelmäßig – also mindestens einmal in der Woche – Alkohol. Etwa jeder siebte Jugendliche berichtet, bezogen auf die letzten 30 Tage vor der Befragung, von mindestens einem Tag mit Rauschtrinken. Von den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren haben 94,9 % schon einmal im Leben Alkohol getrunken. Etwa ein Drittel trinkt regelmäßig Alkohol und rund zwei Fünftel waren in den letzten 30 Tagen vor der Befragung berauscht. Männliche und weibliche Befragte unterscheiden sich im Alkoholkonsum vor allem hinsichtlich der Intensität, die bei männlichen Befragten höher ist.

Wegen höherer methodischer Vergleichbarkeit wird bei Trendanalysen in 2019 wieder die Festnetzstichprobe zugrunde gelegt. Die Trends zeigen, dass immer weniger 12- bis 17-jährige Jugendliche schon einmal Alkohol getrunken haben. Auch der regelmäßige Alkoholkonsum geht in dieser Altersgruppe in den letzten 14 Jahren zurück. Zudem ist das Rauschtrinken bei Jugendlichen im Jahr 2019 geringer verbreitet als in früheren Jahren. Bei den jungen Männern und Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren verläuft die zeitliche Entwicklung unterschiedlich. Der regelmäßige Alkoholkonsum, der Konsum riskanter Mengen und die 30-Tage-Prävalenz des Rauschtrinkens 18- bis 25-jähriger Männer ist 2019 geringer verbreitet als in den Jahren 2011 bzw. 2012. Bei den jungen Frauen zeichnen sich längerfristig keine wesentlichen Veränderungen im Alkoholkonsum ab.

Illegale Drogen

Die Drogenaffinitätsstudie zeigt für das Jahr 2019, dass etwa jeder zehnte 12- bis 17-jährige Jugendliche schon einmal eine illegale Droge konsumiert hat. Von den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren hat fast die Hälfte schon einmal eine illegale Droge konsumiert. Der Konsum illegaler Drogen wird von Cannabis dominiert. Von den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen haben 10,4 % und von den 18- bis 25-jährigen Erwachsenen 46,4 % Cannabis zumindest einmal ausprobiert. Die Konsumerfahrung mit anderen Substanzen fällt deutlich geringer aus. Die Verbreitung des Cannabiskonsums nimmt von der späten Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter stetig zu und ist unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern weiterverbreitet als unter weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen.

Die Trends des Cannabiskonsums (in den Trends wieder ausschließlich Festnetzstichproben) zeigen, dass dieser unter 12- bis 17-jährigen Jugendlichen und 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen in Deutschland seit einigen Jahren ansteigt. In den Gruppen der 18- bis 25- jährigen Frauen und Männer steigt der Cannabiskonsums seit 2008.

Unter jungen Frauen und Männern haben sich im Vergleich zu 2011 auch der Konsums anderer illegaler Drogen außer Cannabis erhöht. Das betrifft den Konsum von Ecstasy, LSD, Kokain und psychoaktiven Pflanzen. Die Anstiege erfolgen allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Cannabis.

Alkohol, Tabak und illegale Drogen bei jugendlichen, Link: https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/Drogenaffinitaet_Jugendlicher_2019_Basisbericht.pdf

Link: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/sucht-und-drogen.html