Initiative zur Förderung der Wirtschaftskompetenz

im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) e.V.Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) e.V. 

 
 


2.5 Genetische Vielfalt des Saatgutes


Das fünfte Unterziel hebt die Bedeutung der genetischen Vielfalt des Saatgutes und Kulturpflanzen im Allgemeinen und der wildlebenden Artverwandten hervor. Das genetische Potential soll bewahrt und als Quelle für die Saatgutverbesserung genutzt werden.

Bezüglich der Artenvielfalt sind massive Rückgänge der Arten des Grünlandes (Wiesen und Weiden) festgestellt worden. Auch die Arten, die zwischen den Feldfrüchten wachsen und in der Umgangssprache als Unkräuter bezeichnet werden, sind ebenfalls zurückgegangen. Diese dienen Vögel und Insekten als Nahrung.

Die Anzahl der Sorten der Kulturarten, die in Deutschland angebaut werden, ist relativ gering. Zwar gibt es z.B. etwa 400 verschiedene Weizensorten, in Wahrheit werden aber nicht mehr als ein Dutzend großflächig angebaut.

Eine Alternative zur Steigerung der Biodiversität in der Landschaft ist die Einrichtung von Ackerrandstreifen. Es handelt sich um Streifen am Rand einer Ackerfläche, die weder gepflügt, gesät, gedüngt noch mit Herbiziden und Insektiziden gespritzt werden. Dort sollen sich Wildackerpflanzen ansiedelt. Ein Programm zur Förderung der Ackerrandstreifen wurde in den 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ins Leben gerufen. Es gab eine Ko-Finanzierung durch die EU. Das Programm war leider nicht erfolgreich.

Zum Schutz von Gewässern wurden in einigen Bundesländern Gewässerrandstreifen eingeführt. Das bedeutet, dass ein Streifen von 10m außerorts und 5m innerorts zum Gewässer nicht bearbeitet werden darf. Damit werden vor allem Einträge von Düngemitteln und aber auch von Boden aufgrund von Erosion reduziert. Diese Streifen tragen auch zur Biodiversität bei.

Eine weitere Maßnahme zur Bewahrung der genetischen Vielfalt sind die Genbanken. Bereits 1943 wurde eine Sammlung von Nutzpflanzen für die Landwirtschaft und den Gartenbau sowie auch für weitere gefährdete Arten in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) angelegt. Das Ziel der Genbank ist genetisches Material vor dem Verschwinden zu bewahren.

Die Genbank ist heute Teil des Leibniz-Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben und beherbergt die zentrale Kulturpflanzengenbank Deutschlands. Dort sind mehr als 150.000 Saat- und Pflanzgutmuster von über 3.000 Nutzpflanzenarten und nahezu 800 Pflanzengattungen in Kühlhäusern sowie durch Nachbau erhalten. Das Genmaterial kann auch bei der Züchtung von neuen Sorten eingesetzt werden.

Von den Flächen, die konventionell landwirtschaftlich genutzt werden, darf man keinen bedeutsamen Beitrag für die Erhaltung der Artenvielfalt erwarten.

Genbank für Nutzpflanzen, Link: https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/genbank-734

Ein anderer Aspekt der Industrialisierung der Landwirtschaft bzw. der Änderung der Nutzungsform des Bodens ist der Verlust an Biodiversität.

Der Film „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ (93 min., 2019) von Jan Haft , im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung, schildert auf eindrucksvolle Weise die Bedeutung der Wiese für die Biodiversität und die Folgen der Vernichtung durch die Transformation in Ackerland bzw. der Steigerung der Nutzungsintensität.

Hauptaussagen des Filmes: Seit 1990 sind rund 600.000 Hektar Grünland in Ackerland umgewandelt worden. Die Gründe dafür waren vor allem ökonomischer Natur. Der Anbau von Getreide ist rentabler als eine Wiese. Aber auch Veränderungen in der Tierhaltung machen die konventionelle Wiese unattraktiv. Ein weiterer Grund ist die Produktion von Mais für die Befüllung von Biogasanlagen für die Erzeugung von Biogas. Die Agrarpolitik hat allerdings dieser Entwicklung einen Riegel vorgeschoben.

Es gibt in Deutschland noch 4,7 Mio. ha Grünland.

Die Reduktion der Biodiversität in Deutschland hat dramatische Dimensionen angenommen.

Link: 

https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/bedrohte-biodiversitaet-weltweit-ursachen-und-loesungsansaetze/

Der Einsatz von Pestiziden ist ein weiterer Faktor für die Reduktion der Biodiversität. In Deutschland sind 285 Wirkstoffe zugelassen und werden in 872 verschiedenen Mitteln eingesetzt. Es werden jährlich etwa 40.000 t an Pestiziden angewandt, allerdings nicht alle in der Landwirtschaft.

In Deutschland erleben wir eine Situation, die durchaus als absurd bezeichnet werden könnte. Die Regierung empfiehlt über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) den Bauern in vielen ärmeren Länder der Erde in der Broschüre aus dem Jahre 2015 „Was ist eine nachhaltige Landwirtschaft? Die Einführung einer nachhaltigen Landwirtschaft.“ Aber hier zulande wird anders entschieden und gehandelt!

Bei einem Vergleich der Empfehlungen der GIZ für ärmere Länder und der Realität in Deutschland ist festzuhalten, dass es ein großes Defizit gibt. Schon bei der Betrachtung des Zustandes der Biodiversität (beim SDG 15 Leben an Land wird auf das Thema tiefer eingegangen) muss festgestellt werden, dass in Deutschland in allen untersuchten Regionen weit über 30% der Fluginsekten – sowohl Artenzahl als auch Biomasse – zurückgegangen sind. Als Gründe nennen die Fachleute vor allem die Steigerung der Nutzungsintensität der Böden.

Die Herausforderung besteht in der Umlenkung von der aktuellen Situation in Richtung Nachhaltigkeit. Ein kurzfristiger Wandel ist nicht realistisch. Es ist notwendig, dass eine anspruchsvolle Strategie im Dialog mit allen Beteiligten entwickelt wird.

Hier müssen Bauern, Verarbeitungsindustrie, Händler und Zwischenhändler, Kunden und Politik und Verwaltung einbezogen werden.

Die Ziele 2.a, b und c beziehen sich vor allem auf internationale Zusammenarbeit, um Technologien zu entwickeln und Genbanken einzurichten. Agrarsubventionen sollen abgeschafft werden. Handel mit Nahrungsmitteln soll erleichtert werden, um Engpässe und Preisschwankungen zu reduzieren.

Herausforderungen für Deutschland bezüglich SDG 2

Deutsche Nachhaltigkeits-Strategie für 2030:

Status der Umweltziele (2017)

(Bitte zum Vergrößern auf die Grafik klicken)

Bei einer Betrachtung der Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung mit Bezug zur Landwirtschaft sind an mehreren Stellen Defizite zu verzeichnen. Die gravierendsten sind bei der Biodiversität und Nitratbelastung des Grundwassers sowie auch beim Schwund der Familienbetriebe auszumachen. Die Belastung der Ost- und Nordsee mit Nitrat ist bedenklich, sowie auch die Belastung der Gewässer mit Phosphat.

Die Belastung von Gewässern wird beim SDG 14 – „Leben unter Wasser“ – behandelt.

SDG 2 hat eine Serie von Herausforderungen an Deutschland.

Die Ernährung muss gesünder werden. Nicht im Sinne der Qualität der Lebensmittel, sondern viel mehr bezüglich der Ernährung der Bevölkerung, um Übergewicht bis Adipositas und weitere Krankheiten, die mit einer falschen Ernährung verbunden sind, zu vermeiden.

Ein weiteres Thema ist die sehr hohe Bewirtschaftungsintensität. Das Pflügen von Grünland und die hohen Düngergaben auf Acker und Grünland haben dazu beigetragen, dass die Biodiversität in Deutschland stark eingeschränkt ist.

Auch die Belastung des Grundwassers mit Nitrat wird zunehmend ein Problem.

Aus sozialer Sicht müssen die Arbeits- und Wohnverhältnisse von Leiharbeitern und saisonalen Kräften besser kontrolliert und bei Bedarf die gesetzlichen Bestimmungen durchgesetzt werden.

Eine nähere Betrachtung der fünf Perspektiven

Wer ist betroffen?

1.- Du persönlich

Wo kaufst Du/Deine Mutter/Deine Familie die Lebensmittel?

(Im Supermarkt, Geschäft um die Ecke, Hofladen etc. ….)

Kann man auch Lebensmittel selbst produzieren bzw. verarbeiten?

• Hast Du die Gelegenheit in einem Garten (Schule, Zuhause, Kleingartenanlage, öffentlicher Park usw.) Gemüse und Obst zu produzieren?

• Hast Du einmal Brot gebacken?

• Oder Marmelade gekocht?

Erleben von Lebensmittelproduktion

• Hast Du von „Urban Gardening“ gehört?

Beispiel Andernach: Dort wurde das öffentliche Grün mit Gemüse bepflanzt. Die Bürgen dürfen es für den eigenen Konsum ernten.

• Film anschauen. Inspiration durch den Film „Tomorrow, die Welt ist voller Lösungen“ (2015). 120 Min.

• Hast Du von „Permakultur“ gehört?

• Gibt es in der Nähe Deines Wohnortes einen Bauernhof?

• Hast Du mal Urlaub auf dem Bauernhof gemacht?

Frühstückst Du regelmäßig, bevor Du zur Schule gehst?

• Woraus besteht Dein Frühstück?

• Isst Du in der Schule zu Mittag?

• Was wird dort angeboten? Magst Du das Mittagessen in der Schule?

• Redest Du mit anderen Schülerinnen und Schülern (SuS) darüber?

• Was könnte man besser machen?

SuS haben einen entscheidenden Einfluss auf ihre Ernährung

• Achtest Du auf Deine Ernährung?

• Schreibe auf, was Du gerne isst und finde mit Hilfe von Informationen (z.B. der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, DGE) heraus, ob Du Dich gesund ernährst?

• Wie sieht es mit süßen Getränken oder mit Süßigkeit im Allgemeinen aus?

• Gibst Du Acht auf Deinen Fettkonsum (z.B. Chips, Fastfood)?

• Isst Du auch Gemüse und Obst?

2.-  Die Folgen meines Handelns - mein Teller verbindet mich mit der Welt

• Hast Du gehört, dass in Deutschland ausländische Arbeiter unter sehr schlechten Bedingungen in der Fleischindustrie arbeiten, Obst und Gemüse ernten oder verarbeiten? Welche Gedanken hast Du dabei?

• Was denkst Du, wenn Du hörst, dass in Deutschland Lebensmittel angeboten werden, die importiert und z. T. von Kindern oder von Erwachsenen unter sehr schlechten Umwelt- und sozialen Bedingungen geerntet und verarbeitet wurden?

• Weißt Du, wo die importierten Lebensmittel (Südfrüchte, Schokolade usw.) herkommen?

• Wo kommen Obst und Gemüse in Winter her?

• Weißt Du, wie diese Lebensmittel hergestellt werden?

3. Struktur

Subventionen haben einen großen Einfluss auf die deutsche Landwirtschaft.

Die Agrarsubventionen der EU wurde in den 60er Jahre des letzten Jahrhunderts eingeführt. Das Ziel war die Sicherung der Lebensmittelproduktion, stabile und günstige Preise für den Verbraucher..

Die Agrarsubventionen der EU für Deutschland betragen insgesamt € 6,35 Mrd.

Die EU-Gelder stammen aus zwei Agrarfonds: dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Der  erste Fond ist mit € 5 Mrd. der größte und für Direktzahlungen, unabhängig von Art und Umfang der landwirtschaftlichen Produktion vorgesehen. Der zweite Fond dient der Förderung und Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Der Fond ist € 1,35 stark. Aus diesem Fond werden nicht nur Biobetriebe gefördert, sondern auch Lebensmittel verarbeitende Betriebe und der Deichbau an der Nordsee.

Bei der Verteilung von Subventionen bekommen Großbetriebe die höheren Summen. Geographisch betrachtet profitieren vor allem die Betriebe in den östlichen Bundesländern.

Im Durchschnitt machen die Zahlungen aus dem Europäischen Garantiefonds etwa 40 Prozent des Einkommens der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland aus. Seit 2015 gibt es allerdings Bedingungen, um in den Genuss der Subventionen zu gelangen. Die Betriebe müssen Ökologisierungsvorgaben wie die Diversifizierung des Anbaus oder der Erhalt von Grünland nachweisen. Sonst droht der Verlust von einem Drittel der Direktzahlungen. Schwerpunkte liegen auf der Förderung von Junglandwirten und kleinen sowie mittleren Betrieben.

Subventionen für die Landwirtschaft, Link: https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/agrarwirtschaft/agrarsubventionen-liste-und-top-empfaenger-2019-jetzt-online_article1590491750.html

Die günstigen Fleisch-, Milch- und Zuckerpreise kommen den Wünschen der Bevölkerung entgegen, den Konsum ohne Rücksicht auf die Gesundheit zu steigern.

4. Wirtschaft

Die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft ist gering. Aber der Naturverbrauch ist hoch. Es muss eine neue Rolle für die Landwirtschaft definiert werden, die sowohl von der Gesellschaft als auch von den Bauern akzeptiert wird und markwirtschaftlich funktioniert. Dauerhafte Subventionen und Förderung ist keine nachhaltige Lösung.

5. Innovation

Bisher wurde in der Landwirtschaft Innovation hauptsächlich vorangetrieben, um Kosten zu senken und die Effizienz und Leistung von Böden, Pflanzen und Tiere zu steigern.

Innovationen für umweltfreundliche bzw. -schonende Technologien und Methoden waren nicht im Fokus der großen Forschungseinrichtungen. Es wurden einige umweltfreundliche Technologien entwickelt, die aber nicht zur breiten Anwendung kamen, weil sie nicht die Wirtschaftlichkeit der konventionellen Verfahren erreichen konnten. Dies wird so lange der Fall sein, wie Biodiversität oder nitratfreies Grundwasser keinen Preis haben und somit nicht in die wirtschaftliche Kalkulation eingehen (Internalisierung der externen Kosten).

Eine Alternative könnte die Permakultur, also „Dauerkultur“ oder „andauernder Anbau“ sein.  Diese Form der Bodennutzung wurde in Australien in den 70er Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelt. Sie verbindet verschiedene Anbaumethode unterschiedlicher Herkunft. Es ist eine Form des Gartenbaus in der der Boden nie unbedeckt ist. Alle organischen Abfälle werden kompostiert und es werden weder chemische Pflanzenschutzmittel noch Kunstdünger eingesetzt.

Permakultur repräsentiert nicht nur eine Form der Lebensmittelproduktion bei sehr geringen Umweltbelastungen, sondern auch eine allumfassende Einstellung zur Natur und zum Menschen. In Deutschland gibt es einige Dutzend Projekte und Initiativen, die vor allem in kleineren Höfen oder dörflichen Gemeinschaften angesiedelt sind. Sie sind häufig auf Selbstversorgung ausgerichtet.

Die deutsche Permakulturakademie wurde bereits zwei Mal von der deutschen UNESCO-Kommission und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet.

Eine systematische Förderung zur Verbreitung dieser Methode für die Produktion von Lebensmitteln als eine mögliche Alternative zu den heutigen Methoden hat bisher nicht stattgefunden.  

Permakultur, Link: 

https://permakultur-info.de

https://permakultur.de/home/

Eine andere Alternative ist die „solidarische Landwirtschaft“. (SoLaWi). Das Ziel ist die Erhaltung und Förderung einer nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft in der Erzeuger*innen und Verbraucher*innen verbindlich zusammenarbeiten und die Landwirtschaft als eine gesellschaftliche Verantwortung sehen.

Diese Form der Bewirtschaftung verzichtet ganz bewusst auf Gewinnmaximierung und setzt auf die Bedürfnisse der Menschen und auf die Schonung der Natur und der natürlichen Ressourcen. Sie basiert auf den Zusammenschluss von Bauernhöfen und Privaten Haushalten, auch andere Betriebe und lokale Aktivitäten der Region können sich anschließen. Die Vermarktung erfolgt direkt und über eigene Verteilernetze.  

In der konventionellen Landwirtschaft stehen oft die Bauer vor dem Problem der Selbstausbeutung aufgrund der niedrigen Rendite. Diese Situation soll durch gerechte Preise, die nicht von äußeren Einflüssen (z.B. Weltmarkt, Verhandlungen mit Discountern) bestimmt werden, Einhalt geboten werden.

In den letzten Jahren hat sich die solidarische Landwirtschaft gut entwickelt. Bis 2020 gab es 11 Gemeinschaften, organisiert als Genossenschaft mit mehr als 4.000 Empfänger der Produkte.

Solidarische Landwirtschaft, Link: https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite

https://www.hna.de/lokales/witzenhausen/witzenhausen-ort44473/werra-meissner-wirtschaftsfoerderung-plant-enge-zusammenarbeit-mit-kollektiv-90184237.html