Initiative zur Förderung der Wirtschaftskompetenz

im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) e.V.Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) e.V. 

 
 

Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen den SDGs

 

Die SDGs wirken nie eindimensional, sie können die Wirkung von anderen stärken bzw. überhaupt seine Wirkung erst möglich machen. Es werden hier einige Beispiele aufgezeigt, wie die SDGs zusammenwirken können. Die „BiWiNa SDG-Klötze“ sollen so geordnet werden, wie die Teilnehmer meinen, dass sie zusammenhängen oder wie am besten Synergien zwischen ihnen entstehen könnten.

Die hier vorgestellten Beispiele sind nur Anregung und sollen dazu dienen, Diskussionen über die Bedeutung der SDGs als Treiber für die Transformation der Gesellschaft zu fördern und Lösungen zu suchen.

 

Beispiel 1: Bildung A

Es ist gängige Meinung, dass Bildung der Schlüssel zu menschenwürdiger Arbeit und gesellschaftlicher Anerkennung ist. Also, das SDG 4 (Hochwertige Bildung) ist entscheidend. Aber es kann sein, dass eine gut ausgebildete Person den erlernten Beruf nicht ausüben kann, weil sie in einer Gesellschaft lebt, in der bestimmte Gruppen diskriminiert werden. Grund für die Diskriminierung kann Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Religion,  sexuelle Orientierung  oder Zugehörigkeit zu einer niederen Gesellschaftsschicht sein. Damit das SDG 4 seine Wirkung zeigt, müssen  gleichzeitig  SDG 5 (Gleichheit der Geschlechter)  und SDG 10  (Reduktion der Ungleichheiten)  zusammenwirken.  Das gilt auch für Gesundheit (SDG 3), Ernährung (SDG 2), und Infrastruktur (SDG 9).
Im Zentrum des Bildes 1 wird das SDG 4 von SDG 10 und 5 flankiert. Oberhalb stehen die SDGs 1, 2 und 3, als Bedingung für eine erfolgreiche Bildung. In wieweit die anderen SDGs auf die Bildung einwirken, sollen die Teilnehmer des Workshops erarbeiten.

 

 

Bild 1. Anordnung der SDGs für das Beispiel 1: Bildung A

 

 


Beispiel 2: Bildung B

Wenn erkannt wird, dass Bildung wesentlich ist,  muss gefragt werden, was ist nötig, um die geforderte Hochwertige Bildung (SDG 4) zu gewährleisten.
Für eine  gute Bildung ist zunächst ein System mit den geeigneten Bildungsinstitutionen, Bildungsprogrammen, gut ausgebildeten Lehrkräften und nicht zuletzt eine angemessene bauliche Infrastruktur für die Durchführung von Lehrveranstaltungen nötig. Die Institutionen des Staates werden im SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) angesprochen. Das SDG 4 beinhaltet nicht nur die Bildung von Schülern und Studenten, sondern auch die der Lehrer und Ausbilder. Für angemessene Gebäude ist eine solide und dauerhafte Finanzierung unbedingt erforderlich. Diese stammen aus den Steuern, die von der Wirtschaft und den Bürgern entrichtet werden. Voraussetzung ist eine gut funktionierende Wirtschaft mit guten Arbeitsplätzen (SDG 8). Für die effiziente und gerechte Anwendung der Steuern ist der Staat verantwortlich (SDG 16).

 

Bild 2. Anordnung der SDGs für das Beispiel 2: Bildung B

 

 

Beispiel 3: "Keine Armut" und "Kein Hunger"

Die ersten beiden SDGs sind „Keine Armut“ (SDG 1) und „Kein Hunger“ (SDG 2). Wie kann dies erreicht werden?
Die dauerhafte Ausrottung von Armut und Hunger ist eine sehr komplexe Herausforderung. 
Hauptgrund für Armut und Hunger ist häufig das fehlende oder unzureichende Einkommen. Das hat verschiedene Gründe. Einer kann sein, dass es kaum Arbeit gibt. Es kann aber auch sein, dass das Einkommen für ein menschenwürdiges Leben nicht reicht. Für die Schaffung von Arbeitsplätzen in einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem ist hauptsächlich die Privatwirtschaft und weniger der Staat zuständig. Hier spielt das SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) eine wichtige Rolle. Damit sich die Wirtschaft entwickeln kann, müssen mehrere Faktoren gleichzeitig wirken. Voraussetzung sind neben adäquaten Rahmenbedingungen (SDG 16) eine gut funktionieren Wirtschaft (SDG 8) und eine angemessene Infrastruktur (SDG 8). Die Bekämpfung von Armut und Hunger setzt voraus, dass Diskriminierung und Ungleichheiten reduziert werden.
Für die Bekämpfung von Armut ist sicherzustellen, dass die Gesundheit der Menschen nicht gefährdet ist. Folgende Elemente sind wesentlich: Die Entwicklung eines Gesundheits- und Sozialsicherungssystem (SDG 3) zusammen mit der Unterbindung von Umweltbelastungen (SDG 6 und 15) und die Schaffung eines Netzes für die Trinkwasserversorgung mit der entsprechenden Kanalisation und Abwasserbehandlungssystemen (SDG 6).  Damit diese Leistungen erbracht werden können,  müssen die Siedlungen einen gewissen Grad an Organisation aufweisen (SDG 11).

Zurück zu den Arbeitsplätzen: Hier kommt das SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) zum Tragen. Auch müssen geeignete Technologien vorhanden sein und nachhaltige Produktionsverfahren müssen etabliert werden (SDG 12). Dies wird vom SDG 9 repräsentiert. Saubere Energie in ausreichenden Mengen und zu bezahlbaren Preisen ist ebenfalls ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Hier treten SDG 7 (Erneuerbare Energie) und SDG 13 (Klimaschutz) in Erscheinung.

Die restlichen SDGs sollen von den Teilnehmern den Zielen „Keine Armut“ und „Kein Hunger“ zugeordnet werden.

 

 

Bild 3. Anordnung der SDGs für das Beispiel 3: Armut

 

Beispiel 4: Wachstum

In unserem heutigen Wirtschaftssystem gilt Wachstum als ein wesentlicher Faktor für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand. Wir dürfen aber dabei nicht vergessen, dass nach dem heutigen System in vielen Fällen das Wachstum auf Kosten der Natur und der Menschen erfolgt.

Das SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) stellt die Beziehung zwischen Qualität der Arbeit und Wachstum dar. Diese Beziehung muss aber nicht in der heutigen Realität eine positive sein. Hier stellen sich zwei Fragen. Die erste bezieht sich auf die Bedingungen, damit die Arbeit menschenwürdig wird und die zweite richtet sich auf das Wachstum selbst. Wie kann Wachstum erfolgen, ohne dass die Umwelt darunter leidet? Oder ist Wachstum unbedingt nötig?
Damit die Arbeit menschenwürdig wird, müssen mehrere SDGs zusammen wirksam werden: zunächst ist SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) entscheidend. Es bestimmt die gesetzliche Rahmenbedingungen, SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) und SDG 5 (Geschlechter Gerechtigkeit) sind ebenfalls wesentliche Merkmale eines menschenwürdigen Arbeitsplatzes. Aus einen solchen Arbeitsplatz sollen keine Belastungen für die Umwelt entstehen (SDG 14 und 15).
 
Beim Wirtschaftswachstum stellt sich die Frage, wie dies erfolgen soll. Wie soll mit endlichen Ressourcen umgegangen werden, oder mit welcher Energieform soll das Wachstum vorangetrieben werden? Hier kommt dem SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie) eine große Bedeutung zu. Auch SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) spielt hier eine große Rolle, vor allem die Innovation. Neue Verfahren für einen sparsamen Umgang mit Ressourcen und den Ersatz von endlichen Ressourcen durch erneuerbare könnten einen erheblichen Beitrag zur Entlastung der Umwelt leisten. Auch SDG 12 (Verantwortungsvoller Konsum- und Produktionsmuster) ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Nicht nur auf der Seite der Hersteller sollen die Kriterien der Nachhaltigkeit beachtet werden, sondern auch auf der Seite des Verbrauchers. Beim Transformationsprozess spielen Bildung und Training (SDG 4) eine wesentliche Rolle in der Vorbereitung der Bevölkerung, des Managements und der Arbeiterschaft auf die neuen Herausforderungen. Mit Hilfe der Bildung soll auch das notwendige Bewusstsein entstehen.

Die restlichen SDGs befinden sich am oberen Rand des Bildes und sollen von den Teilnehmern dem Wachstum zugeordnet werden.

 

 

Bild 4. Anordnung der SDGs für das Beispiel 4: Wachstum

 

Beispiel 5: Klimaschutz

Der Schutz des Klimas (SDG 13) ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.
Weil der Klimaschutz eine recht komplexe Aufgabe ist, muss er von verschiedenen Standpunkten betrachtet werden.
Auf der einen Seite stehen politische Aspekte und auf der anderen Seite eher technische Lösungen. SDG 16 steht für Frieden und Gerechtigkeit. In den Unterzielen werden die Institutionen des Staates angesprochen, ohne deren Wirkung Klimaschutz nicht möglich ist.  Auf der anderen Seite stehen die erneuerbaren Energien (SDG 7). Eine der wichtigsten Ursachen für die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre ist die Verbrennung von fossilen Energieträgern. Eine wesentliche Maßnahme zur Senkung der CO2-Emissionen ist die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare (SDG 7).  Die Energieversorgung ist in allen Ländern der Erde mehr oder weniger vom Staat reguliert und so kann eine Umstellung auf erneuerbare in größerem Umfang nur nach einer entsprechenden Entscheidung der verantwortlichen Stellen geschehen. Und so ist hier SDG 16 wieder am Zug. Mit einer Umstellung der Energieversorgung muss geprüft werden, ob die Stromleitungen in der Lage sind, den Strom vom Entstehungsort zu den Verbrauchern transportieren zu können. Denn es ist häufig so, dass die konventionellen Kraftwerke in der Nähe der Verbraucher erstellt wurden, aber Wind, Sonne, Geothermie und Meereswellen nicht in der Nähe der Verbraucher vorkommen oder genutzt werden können. Hier greift SDG Innovation und Infrastruktur (SDG 9).

Eine Gesellschaft, die sich auf den Weg macht, die erneuerbaren Energien als die Hauptquelle der Energieversorgung zu erschließen, braucht dringend neue Industrien und neue Arbeitsplätze. Damit entsteht ein anderes Wirtschaften (SDG 8) mit geringen und später ohne CO2-Emissionen.

Beim Klimaschutz kommt den Städten und Gemeinden (SDG 11) eine wesentliche Rolle zu. Dort leben die Menschen und deshalb müssen die Siedlungen so gestaltet werden, dass diese insgesamt mit weniger Energie auskommen. Hier muss z.B. der Verkehr und die Energieversorgung der privaten Haushalte einbezogen werden.

Die Akzeptanz der Gesellschaft für die erneuerbaren Energien mit den verbundenen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft muss sichergestellt werden.
Hier kommt der Bildung und der Aufklärung eine wesentliche Rolle zu (SDG 4). Aber auch ein verantwortungsvoller Konsum (SDG 12) muss einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

In Zusammenhang mit dem Klimaschutz spielen auch soziale Aspekte eine große Rolle. Klimaschutz ist eine inklusive Herausforderung. Sowohl die Genderfrage (SDG 5) als auch die Reduktion von Ungleichheiten innerhalb wie auch zwischen Ländern und Regionen (SDG 10) spielen hier eine wichtige Rolle. Ohne die Inklusion der Frauen (SDG 5) bei der Umwandlung der Gesellschaft und Wirtschaft kann der Prozess nicht gelingen. Sie leisten wesentliche Beiträge für Wirtschaft und Familie. Auch der Abbau von Ungleichheiten in und zwischen den Ländern und Regionen (SDG 10) ist wesentlich. Erneuerbare Energien können in Regionen vorkommen, die weit entfernt von den Produktionszentren liegen. Dort leben Menschen unter häufig benachteiligten Bedingungen. Die Nutzung der erneuerbaren Energien muss auch für sie Vorteile bringen.

Gelungene Modelle für die Organisation der Gesellschaft und der Wirtschaft sowie auch für moderne Technologien sollen international diskutiert werden, mit dem Ziel zu prüfen, inwiefern diese auch in anderen Ländern erfolgreich eingesetzt werden können. Internationale Kooperationen sind unerlässlich bei Klimaschutz (SDG 17).

Die restlichen SDGs befinden sich am oberen Rand des Bildes und sollen von den Teilnehmern dem Klimaschutz zugeordnet werden.

 

 

Bild 5. Anordnung der SDGs für das Beispiel 5: Klimaschutz


Beispiel 6: Lieferantenkette

Eine Folge der Globalisierung ist die „Verlängerung“ der Lieferantenkette. Produktionsverlagerung ins Ausland und Einbeziehung zahlreicher Lieferanten bei der Herstellung der unterschiedlichsten Produkte führt dazu, dass der Endverbraucher häufig nicht mehr weiß, wo ein Produkt - das er gerade kauft - hergestellt wurde und unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen dies geschah.

Das entsprechende Bild dazu (Bild 6) ist in sechs Ebenen aufgebaut. In den drei unteren steht SDG 12 (Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster) eingerahmt zwischen der Grundlage für eine faire Lieferantenkette (SDG 16, Frieden und Starke Institutionen; SDG 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele und SDG 4, Hochwertige Bildung) und wichtige bestimmende Faktoren für die Lieferantenkette. Keine Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz (SDG 5, Geschlechter Gleichstellung) und Weniger Ungleichheiten (SDG 10) sind Bedingungen für Menschenwürdige Arbeit (SDG 8). Beim Bau von Gebäuden und Infrastruktur muss die Sicherheit der Mitarbeiter berücksichtigt werden (SDG 9). Weitere wichtige Faktoren für die Gestaltung einer fairen Lieferantenkette befinden sich in den oberen Ebenen.

Für die Erreichung des SDG 12 tragen sowohl Verbraucher (SDG 12) als auch Hersteller (SDG 8, Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Wirtschaftswachstum) Verantwortung. Im Inland sind die Bedingungen am Arbeitsplatz, Entlohnung und Pflichten und Rechten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern vom Staat geregelt (SDG 16). In ärmeren Ländern können diese mangelhaft sein. Soziale Standards (SDG 5, Geschlechter Gleichstellung und SDG 10, Weniger Ungleichheiten) sind nicht vorhanden oder sie werden nicht eingehalten und die Umwelt wird stark belastet mit negativen Konsequenzen für Menschen (SDG 3, Gesundheit und Wohlergehen und SDG 6, Sauberes Wasser und Sanitärversorgung), Gewässer (SDG 14, Leben unter Wasser) und Böden (SDG 15, Leben am Land).
In vielen dieser Ländern beruht die Energieversorgung auf der Verbrennung von fossilen Brennstoffen – häufig mit veralteter Technik, die eine große unmittelbare Umweltbelastung der Umgebung mit Abgasen und Partikeln darstellt, aber auch mit hohen CO2-Emissionen verbunden ist. Eine Umstellung auf umweltschonende Verfahren und insbesondere auf erneuerbare Energien ist in vielen Fällen nötig. Lösungen können in Partnerschaften mit den Abnehmer der Produkte entwickelt werden.

In der obersten Reihe des Bildes befinden sich elementare Aspekte wie Überwindung von Armut (SDG 1), Hunger (SDG 2) und nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11), die den Menschen ein würdiges Leben erlauben.

 


Bild 6. Anordnung der SDGs für das Beispiel 6: Lieferantenkette